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Als nächstes wählte der Architekt einen zentralen Punkt im Garten, um den er den Baukörper gruppierte. Diese Idee basiert auf der Bauphilosophie des Planers, nach der jedes Haus eine besondere Mitte haben muß. Direkte Vorbilder hat Ralph Müller dafür nicht, allerdings sind gerade in südeuropäischen Ländern vergleichbare Hausformen zu finden. Das Atrium in Italien oder der Patio in Spanien sind einladende Innenhöfe, die begehrte Aufenthaltsorte für die ganze Familie darstellen. Wie man es nimmt, sind diese Räume halboffen oder zur Hälfte geschlossen, so daß sie weder dem Innen- noch Außenbereich völlig angehören, doch auf diese Weise beide Bereiche miteinander verbinden.
Über den Innenhof und die Terrasse hinaus scheinen die Wohnräume zumindest optisch bis in den Garten zu reichen. Die einzelnen Räume sind innen wie außen jeweils so groß wie möglich. Da sie durch Sichtbeziehungen fast alle miteinander verknüpft sind, ergeben sich ständig neue Perspektiven, ohne daß jedoch hier der Eindruck einer schlichten, großen Halle entstehen würde. Bauherr und Architekt waren sich einig, daß sich „ihr" Haus durch einen eigenständigen Charakter auszeichnen sollte, ohne zu protzen. Es sollte ein architektonisches Individuum sein, jedoch ohne auffällige bauliche oder gar modische Akzente. Also wurde der Neubau -wiedieNachbarschaftshäuser-mit einem Satteldach ausgestattet, das im Garten allerdings mit einer tief herabgezogenen Spitze fast bis in den Teich reicht. Das Herz des Hauses ist der zentrale Wohnbereich, der ganztägig besonnt ist. Ein Baum symbolisiert den Lebensmittelpunkt der Familie - nicht etwa im Garten, sondern mitten im Wohnzimmer. Er ist nicht nur ein Zeichen für Leben und Wachstum gleichermaßen, sondern er beeinflußt ganz pragmatisch gesehen auch das Raumklima auf angenehme Art und Weise. Damit der Baum direkt im Haus wachsen kann, plante der Architekt einen Stahltrog im Boden ein, in welchen er einen Hydrokulturtopf mit 70 Zentimetern Durchmesser eingesetzt hat. Der Fußboden ist an dieser Stelle mit Marmor gedeckt, und da der Belag etwas über die Bodenöffnung hinausreicht, ist dadurch auch der in den Fußboden eingelassene Trog verkleidet. Um die Pflanze ausgiebig mit Licht zu versorgen, plante Müller eine spezielle Wachstumsleuchte ein.
Allerdings erwies sich diese in der Praxis mittlerweile als vollkommen überflüssig, denn die Sonnescheint direkt durch ein Dachflächenfenster und die zweigeschossige Verglasung auf der Gartenseite. Da Bauherr und Architekt beide diese Vorliebe zur Natur verspüren, sind Luft, Wasser und Sonne im Haus unmittelbar gegenwärtig. Am Rande sei bemerkt, daß die beiden Schulfreunde sind und schon von daher ihre gegenseitigen Vorlieben kennen. Das vierte Element, das Feuer, ist durch einen offenen Kamin ver treten, der die Form eines Lagerfeuers hat und direkt unterhalb einer kanzelartigen Galerie angeordnet ist. Um die offene Wirkung der Flammen im Raum noch zu unterstreichen, sind zwei der vier Seiten der Feuerstelle mit Spiegelwänden versehen, so daß die Flammen optisch in den ganzen Raum reflektiert werden. Ebenfalls in diesem Wohnsaal befindet sich ein Kachelofen. Er ist nicht nur ein Symbol für Wärme und somit Zeichen für ein zentrales menschliches Bedürfnis, sondern er vermittelt auch Geborgenheit. Tatsächlich zeigt dieser Gedanke Wirkung, denn der Platz im Haus ist sehr begehrt. Das Haus wird von einer vierköpfigen Familie bewohnt. Als das Eigenheim gebaut wurde, waren die Kinder noch klein. Gemeinsam mit dem Architekten überlegten die Eltern, welche Wünsche das Haus erfüllen sollte. So ist das Erdgeschoß 127 Quadratmeter groß und beherbergt neben dem Wohnbereich die Küche und ein geräumiges Schlafzimmer. Das Dachgeschoß ist mit seinen 76 Quadratmetern bedeutend kleiner und erinnert allein schon durch die Größe an ein Galeriegeschoß mit eigenem Charakter. Durch die Aufteilung der Grundrisse können die beiden Etagen jeweils eine selbständige Wohnung bilden, und sogar im Untergeschoß ist auf den 119 Quadratmetern nochmals Platz für eine eigenständige Wohneinheit. Auf diese Weise ist das Haus so flexibel, daß es der Familie während jeder Lebensphase ein passendes Zuhause sein kann. Im Moment allerdings benötigen die Kinder noch einen engen Bezug zu den Eltern. Nichtsdestotrotz haben sie bereits ihr eigenes Reich: Ihre Zimmer sind im Obergeschoß, das einerseits räumlich von den Eltern getrennt ist. Andererseits ist es mit dem Erdgeschoß über die Galerie und den zentralen Wohnraum verbunden, so daß der direkte Kontakt nach Wunsch immer besteht. Sobald der Nachwuchs erwachsen wird, kann die obere Etage separat über die Diele erschlossen werden. Einfache Raumteiler kön nen die Galerie gegenüber dem Wohnraum der Eltern abschotten. Die einzelnen Zimmer sind den Himmelsrichtungen entsprechend angeordnet. So scheint in die Schlafräume keine direkte Morgensonne, um die Bewohner nicht frühzeitig zu wecken. Möglichst viel Licht dagegen sollte in alle Aufenthaltsräume gelangen, weshalb die Wohnbereiche sich im Südwesten befinden.
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